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8 Jahre LFG-Tool – WoW ist bequemer, aber unsozialer geworden

Mittlerweile fast täglich kann man in den Foren von Leuten lesen, die ihrem Ärger Luft machen möchten. Stets findet man mindestens einen Beitrag, dass die WoW-Community immer unfreundlicher, immer weniger sozial agiert.

Meist geht es dabei um das LFG-Tool von WoW und seine Auswirkungen auf das Spiel.

Segen und Fluch, seit es existiert: Das Tool zur Gruppensuche

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Der Dungeon-Finder war schon zu seiner Einführung ein umstrittenes Thema. Das LFG-Tool kam im Dezember 2009. Dass sich die Lage acht Jahre später noch immer nicht beruhigt hat, konnte wohl niemand voraussehen.

  • Früher, vor Dezember 2009, wurden Gruppen manuell zusammengestellt. Man hat eine Gruppe im Chat gesucht oder hat Leute direkt angesprochen, sich dann zusammengefunden und ist zu einer Instanz gereist.
  • Mit dem LFG-Tool in WoW kam „automatisiertes Matchmaking.“ Ein Spieler meldet an, dass er eine Instanz sucht. Das Spiel stellt automatisch eine Gruppe zusammen und portet die Spieler in diese Instanz. Es findet vorher kein Austausch zwischen den Gruppenmitgliedern statt. In einem Moment sind die Spieler noch auf ihrem Angelausflug, folgen ihrer Sammelroute oder hängen an einer Weltquest, im nächsten Moment sind sie in einer Gruppe und stehen in einer Instanz.

Die einen finden es toll, dass man für einen kurzen Ausflug in eine Instanz keine lange Anreise einplanen und extra eine Gruppe suchen muss. Die anderen stört es, dass die Gruppen seitdem immer weniger Zusammenhalt zeigen.


Läuft etwas nicht wie geplant, verschwindet sofort der erste. Passt der Gruppe nicht, wie ein Gruppenmitglied spielt, wird er gekickt. Mit dem LFG-Tool kommen und gehen Spieler aus der Gruppe.

Das etwas andere Pay 2 Win: Echtgeld löst sozialen Umgang ab

Ein aktuelles Bild vom Ingame Shop in WoW


Das sind die aktuellen Services, die man für Echtgeld kaufen kann.


Die Möglichkeit des Charaktertransfers und des Fraktionswechsels tragen ihren Teil zu solchen Attitüden bei.

  • „Früher“ wurde darauf geachtet, dass man es sich mit den Leuten nicht verscherzt, damit man auf dem Server keinen schlechten Ruf hat (sowohl als Gilde als auch als Spieler).
  • Heute ist es möglich, sich einfach der anderen Fraktion oder einem anderen Realm anzuschließen.
  • Oder man fängt schnell von vorne an, da die Charakteraufwertung auf Level 100 auch nur einen Klick entfernt ist.

Man „haftet“ also nicht so für sein Verhalten wie früher, spürt die Konsequenzen nicht mehr so stark. Ist der Ruf ruiniert, fängt man unter neuem Namen woanders an.

AFK Pizza belegen

Das LFR-Phänomen wirkt sich mittlerweile auf Gilden und Raids aus, da egoistisches Verhalten durch das LFG-Tool salonfähig geworden ist.

Das Pflichtgefühl vieler Spieler gegenüber den anderen Mitgliedern ist kaum oder gar nicht mehr vorhanden. An seine Stelle ist Egoismus getreten.

Es wird als „in Ordnung“ empfunden, die anderen 19 Mitglieds des Raids warten zu lassen, weil man gerade noch seine Pizza belegen muss.

Kaum noch Bindung an die Gilde

Der Wegfall von sozialen Bindungen trifft „mittelgroßen“ Gilden am schwersten. Jene, die nicht unter den Top 100 der Welt raiden, aber dennoch einen gewissen Erfolg verzeichnen möchten. Jene, die auf gemütliche, familiäre Schlachtzugsabende setzen und trotzdem den mythischen Schwierigkeitsgrad meistern wollen.


Da es von diesen Gilden relativ viele gibt, ist die Auswahl groß – und die stark vereinfachten Möglichkeiten, sich etwas Neues zu suchen, wenn einem Tempo oder Umgang nicht passen, sind verlockend. Nicht wenige Gilden sind deswegen kurzlebig und selbst die ein oder andere ältere Gilde verliert zunehmend Spieler.


Acht Jahre nach der Einführung des LFG-Tools sieht man seine Spuren in WoW überall: So wie Spieler aus Gruppen raus- und reingehen, wechseln manche heute die Gilden, die Server oder die eigene Identität.


Der Preis für das erhöhte Maß an Bequemlichkeit in WoW ist höher, als man vor acht Jahren dachte.


Quelle: mein-mmo.de

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